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re:publica 2017

re:publica 17 #LoveOutLoud

rp15: Die Aufmacher ­– eine Revue zu den Absurditäten von technischem Fortschritt und Wachstum

Schon während die Moderatorin ihre Einführung gibt, verlassen vorwiegend Schlipse und hippe Modegänger flott wieder den Saal:
Denn nur ungern lassen sie sich sagen, dass wir von einer bedürfnisorientierten Wirtschaft längst zur produktionsorientierten Gesellschaft gewechselt haben.

Worin da genau der Unterschied liegt?

Kapitalismus soll ja eigentlich so funktionieren, dass jemand die Bedürfnisse der Menschen aufgreift und ihnen dafür das entsprechende Produkt zur Verfügung stellt, um es zu befriedigen. Und dann daran Geld verdient.

Wie es mittlerweile wirklich läuft ist, dass die Industrie behauptet, es gäbe ein Bedürfnis und der Menschheit nun tunlichst einredet, wir wollten das.
Und wir Dummbratzen kaufen das alles auch noch... ;)

Das grüne Wählscheibentelefon im Flur meiner Eltern stand dort während meiner gesamten Kindheit und noch danach. Doch heute denken wir spätestens alle zwei Jahre nach, funktionierende Geräte mutwillig gegen neuere Geräte auszutauschen, weil die hübscher, hipper, einen 0,3 % größeren Bildschrim etc haben.

Das ist definitiv der Punkt, an dem schon viele aus der Session aussteigen, denn der Mensch von heute meint ja, sein Leben selbst zu gestalten und so zu Leben, wie man es sich selber vorstelle.
Die Auffassung, dass sie für einige ihrer Ansichten erst ein Bedürfnis haben, seit es ein Produkt dafür gibt, widerspricht dem natürlich komplett.

Der digitale Mensch von heute hört es auch nicht gerne, wenn er hört, dass er jede Menge Müll produziere, den es früher einfach nicht gab...

Erstaunlicherweise liegt das nicht immer daran, dass es vielleicht ein Produkt früher noch gar nicht gegeben hat, sondern häufig nur an seiner heutigen Herstellungs- bzw. Nutzungsweise.

Einfaches Beispiel: Papp- oder Plastikbecher gibt es schon so lang ich denken kann, aber die hippe Verfahrensweise, man müsse seinen Kaffee dauernd unterwegs trinken für zur gewaltigen Umsatzsteigerung bei den Becherherstellern und Kaffeevertreibern, die aber eher wenig nachhaltiges anbieten, sondern der ToGo-Becher, der nach 10 min Nutzung im Müll landet ist noch immer Standard.

Alleine das führt zu echtem Wahnsinn: 
Da wächst in einem Nutzwald über viele Jahre ein Baum, der irgendwann gefällt wird, in eine Papierfabrik gebracht, mühsam und unter viel Energieaufwand zu einem Becher geformt, bunt bedruckt, bis in die Filiale Kleinkleckersdorf geliefert und wird dort in einem Atemzug zum Müll...

Als wäre das schon nicht schlimm genug, bekommen wir... unter weiterem Abzug von Schlipsen und hippen Menschen aus der Session... vorgeführt, dass uns die Industrie selbst mit Gütern beliefert, die mit der festen Absicht hergestellt werden, dass sie baldestmöglich den Geist aufgeben (mehr Informationen dazu hier: http://www.murks-nein-danke.de/verein/ )

Kaum zu ertragen sind Toner-Patronen, die bis 1000 zählen und dann den Dienst verweigern, obwohl noch bis zu 70% des Toners vorhanden sind, Stabmixer mit einem extra aus Plastik geformten Getriebe, welches nach zu langem (3 min) Gebrauch kaputt geht und elektronische Bauteile, deren Qualität so ärmlich ist, dass Omas Fernseher tatsächlich länger hält, als der eben gekaufte Flachbildschirm.

Die seit den Apple-Produkten hippe Variante, Akkus fest im Gerät zu verbauen, muss man da wohl nicht extra noch erwähnen.

Warum macht man das alles?

Weil zumindest die Industrie sich längst dazu entschieden hat, dass ihr Wachstum wichtiger als Nachhaltigkeit ist und dafür Resourcen, zu denen auch die Umwelt gehört, bedenkenlos geopfert werden.

Fakt ist: Eine entsprechende Recyclingindustrie, die uns helfen könnte, den entstehenden Müll dann auch wenigstens wieder - und möglicherweise höherwertig - zu verwenden existiert bislang nicht.

Plastikverpackungen und Plastikmüll wird zum großen Teil noch immer einfach wegen seines Brennwertes verheizt und nicht wiederverwertet.

Schlimmer geht es nur noch dem Elektronikschrott, dessen nicht umsonst schon "seltene Erden" genannten Rohstoffe, so gut wie gar nicht wiederaufbereitet werden und einfach auf der Müllhalde rumliegen.
Recycling bringt keinen großen Gewinn... weniger als ein neues Smartphone...

Letztlich unterliegt ja sogar die Bio-Industrie dem Wachstums-Paradigma.... aber ist Industrielle Bio-Ware denn wirklich dass, was ihr wolltet?

Am Ende der Blick auf das, was man viel häufiger machen könnte: 
OpenSource-Projekte z.B. auch in der Hardware, hier mal am Beispiel einer Fernbedienung namens Avoccado

Das vorgeführte Gerät wurde aus einer Akku-Zelle eines "kaputten" Laptop-Akkus (d.h. eine von 12 im Gehäuse verschweißten Zellen war defekt) mit Strom versorgt und kann, da alles offen verfügbar ist, beliebige Funktionen implementieren und vor allem repariert werden.

Übrigens: Made in Berlin... ;)

Offenes Wissen ist also definitiv eine Quelle, aus der auch nachhaltige Produkte geboren werden können, denn selbst ein Hersteller, der die Einzelheiten offen legt, könnte ja vom Feedback seiner Nutzer profitieren.

It's up to you... Apple und Co...

(Man scheint auf der re:publica nicht mehr alle Sessions auch ins Netz zu stellen, daher bleibt offen, ob ich dem Beitrag auch bald einen Video-Link hinzufügen kann...)
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