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re:publica 2017

re:publica 17 #LoveOutLoud

Meinung: Mit dem Auto bis zur Kasse sonst online?

Ein Artikel auf heise.de hat mich heute "inspiriert" mal wieder eine Meinung zu bloggen...

Im Artikel "Innenstadt gegen Internet: Was tun gegen Amazon & Co." geht es mal wieder um sterbende Innenstädte durch Menschenmassen die Online-Einkäufe tätigen.

Das ist ja durchaus ein Thema, mit dem auch ich mich schon mal beschäftigt habe.
Die Zunahme meiner Online-Einkäufe ist ja eine direkte Folge der Tatsache, dass ich auf der Einkaufsmeile in der Stadt oder im Einkaufszentrum auf der Wiese einfach nicht die Produkte finde, die ich gerne kaufen möchte und auch keinen Händler, der sie mir auf Nachfrage bestellen würde.

Kurzum: Ich kaufe zumeist produktorientiert und nicht preisorientiert.
Ich möchte das ein Produkt etwas bestimmtes kann und kaufe dann nicht z.B. den billigeren Fernseher, bloß weil der halt gerade billiger ist.

Doch in der Diskussion um den Artikel stellt sich sehr schnell heraus, welches verwöhnte und möglicherweise teilweise auch schon degeneriertes Volk wir inzwischen sind:

  • Die meisten sind schlicht für "Geiz ist geil", dann müssen das eben Kinder nähen!
  • Da komme ich mit dem Auto nicht bis an die Kasse. / Das Parken kostet ja Geld!
  • ÖPNV stinkt, ist voll und man wird dauernd ausgeraubt.
  • Die sind alle selbst Schuld!
  • Die Regierung ist Schuld!
Ihr guckt jetzt erstaunt?
So ging es mir auch.

Richtig ist:
Der stationäre Handel bedient nur den Massenmarkt und zumeist gibt es auch den Mehrwert der Beratung nur noch in Form von Menschen, die wissen wo der Karton mit der richtigen Schuhgröße steht.
Das ist tatsächlich deren Fehler.

Das Verkaufspersonal ist oft wenig motiviert, was sicher auch eine Folge knapper Bezahlung und Stress ist.
Daran ist allerdings die Regierung mitschuldig, die gerne nur billige Arbeitskräfte hätte und dazu beiträgt, das echte Produktion "Made in Germany" ausstirbt.

Wir kaufen dann lieber den billigen Mist aus China.

Die Verkaufsphilosophie ist oft "nehmt was da ist" und "ich biete nur an was alle wollen" und "ich habe möglichst wenig verschiedene Ware im Laden,das ist für mich billiger". 
Kundenwünsche kommen darin halt nicht vor.

Letzteres durfte ich bei der Besorgung einer Armschiene miterleben, die ein Arzt auf Rezept verordnet hatte (man hat also eine Verletzung und Schmerzen und so weiter...):
Der stationäre Sanitätshandel (im Ärztehaus) hatte sowas nicht mal ansatzweise vorrätig (eigentlich gibt es in dem Laden nur Hüpfbälle und Kniebandagen, die man auch bei Tchibo kaufen kann) und man war sich sicher, dass das auch nicht im Zentrallager rumliege... man müsse bestellen. 
Das könne eine Woche dauern... mit Glück.
Und dann kann man das dann dort im Laden abholen.
Da braucht man sich über "zufriedene" Kunden ja nicht wundern, oder?

Vielen ist es aber offensichtlich ja schon zuviel sich durch eine Fußgängerzone bewegen zu müssen, weil sie nicht mit dem Auto bis an die Kasse fahren können.
ÖPNV mache einen ja "zum Sklaven des Fahrplans", das wolle man sich nicht antun...die Zeit sei ja nicht wertlos.

Die da so reden sind längst Sklaven: 
Sie sind Sklaven ihres Autos, für dessen Kreditfinanzierung sie gerne 1-3 Tage ihres Arbeitlohns (und damit auch ihrer Lebenszeit) pro Monat abgeben, auf den Kinobesuch diesen Monat verzichten, weil die Bremsen neu müssen oder morgens früher losfahren, um nicht in den Stau zu kommen.

Aber natürlich ist es ja soviel bequemer... man muss seine Primark-Tüte nicht die ganze Zeit festhalten, wie im Bus... ;)
Und man kann dann ja auch jederzeit los... z.B. ins 3 km entfernte Fitnessstudio  um da dann auf dem Laufband 6 km zu joggen. Bewegung tut ja Not!

Fazit:
Die Läden in der Innenstadt sterben nicht wegen des Onlinehandels aus, sondern wegen der vermeintlichen Bequemlichkeit der Menschen, die das Zentrum nicht mit dem Auto erreichen können, weil es eine Fußgängerzone ist und/oder Parkhäuser Geld kosten.
Dazu kommt oft ein zu hoher Preis, doofe Öffnungszeiten und viele Menschen auf der Straße.
Der Homo Deutschlandicus ist faul und will nicht von der Couch und (so der Teil der Menschen die ein Auto besitzen) schon gar nicht in den ÖPNV.
Das hat er sich ja auch verdient, sagt er.

Ich schüttel still den Kopf, steige auf mein Rad und fahre einkaufen...

 


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